Gewobau baut das erste Hotel

Im Garten der Salinenstraße 78 ziehen ab Frühjahr geflügelte und gepanzerte Gäste ein – auch in den Außenanlagen der Mietshäuser soll naturnaher Lebensraum entstehen.

Die Wohnungswirtschaft bietet ein breites Feld für Betätigung und so verwundert es nicht, dass die Gewobau Bad Kreuznach ihr Augenmerk nicht nur auf bestehende Mietobjekte, sondern vermehrt auch auf Neubauten lenkt. „Jetzt steigen wir ins Hotelgeschäft ein und freuen uns, wenn unsere ersten Gäste im Frühjahr Quartier beziehen“, schmunzelte Geschäftsführer Karl-Heinz Seeger angesichts des neuesten nachhaltigen Bauprojekts. Ein schmuckes Gebäude aus Bambus, Hartholz und Schilf, mit Blechdach und 21 Wohnblöcken auf einer Ministellfläche von nicht ganz einem Quadratmeter ziert den Garten der Verwaltung. Im Frühjahr werden hier Falter, Marienkäfer und Wildbienen einziehen, sobald die Außentemperaturen es zulassen.

Die schöne Idee hatte Gewobau-Mitarbeiter Rainer Arend. „Wir wollen die weitläufigen Außenanlagen unserer Mietshäuser sukzessive etwas lebensfreundlicher gestalten und mit den Insektenhotels auch Kleintiere und Vögel anlocken“, erläuterte Arend den Plan für eine nachhaltigere Außengestaltung. In den nächsten beiden Jahren sollen insgesamt rund 50 dieser Insektenhotels zwischen den Mietshäusern, jedoch mit Rücksicht auf die Mieter mit etwas Abstand zur Wohnbebauung aufgestellt werden. Projektpartner ist die hiesige Lebenshilfewerkstatt in Bretzenheim. Zweigwerkstattleiter Sascha Fuchs und einige Mitarbeiter lieferten den Prototyp kurz vor Weihnachten aus und weihten das schmucke Häuschen im Garten der Gewobau ein. Für die Wohnungsbaugesellschaft, die vor allem bezahlbaren Wohnraum in der Stadt anbietet, ist die Kooperation mit der Lebenshilfe-Werkstatt eine Win-Win-Situation: „Wir sparen dadurch rund die Hälfte der Ausgleichsabgabe nach Schwerbehinderten-Recht. Gleichzeitig tun wir etwas für die Umwelt und werten damit auch unsere Bestandsobjekte auf“, fasste Seeger den wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen zusammen.

Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch zwischen Lebenshilfe-Werkstatt und Nabu

Anfang 2019 war die Gewobau mit der Werkstatt für beeinträchtigte Menschen in Kontakt getreten und hatte das erste Insektenhotel in Auftrag gegeben. Die Lebenshilfe-Werkstatt holte sich flugs Unterstützung vom Nabu, der den Mitarbeitenden in den verschiedenen Abteilungen der Werkstatt beim Bau des Miniaturhotels mit vielen Tipps zur Seite stand. So wurde unter anderem darauf geachtet, Hartholz zu verwenden, um die empfindlichen Flügel der Hotelgäste beim Einflug in die Kammern nicht zu beschädigen. Auch die Größen und Gewohnheiten der künftigen Bewohner wurden berücksichtigt. So gibt es ein eigenes Fach für Marienkäfer und eines für Falter. Alle Materialien, darunter Bambus und Schilf, wurden mit Fliesenkleber eingeklebt, so dass die Rückseite einer jeden Öffnung verschlossen ist. Nur so gelingt es dem Insekt, in der Kammer das Ei abzulegen und für Nachwuchs zu sorgen. Das Dach des Hotels wurde mit Blech belegt und der Giebel mit dem Logo der Gewobau versehen, auch eine kleine Erläuterung zum Sinn und Zweck eines Insektenhotels wurde mitgeliefert.

Für Sascha Fuchs ist es ein ganz besonderes Projekt. „Hier ist ganz viel Herzblut unserer Mitarbeiter und eine Menge Erfahrung von fachlicher Seite in die Arbeit eingeflossen“, sagte der Zweigwerkstattleiter und dankte der Gewobau für das Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Beschäftigten, aber auch dem Leiter der NABU-Regionalstelle Rheinhessen-Nahe, Rainer Michalski, für das geteilte Fachwissen und die Anleitung in den unterschiedlichsten Gewerken. So wirkten auf Seiten der Lebenshilfe Werkstatt der Berufsbildungsbereich, die Schreinerei, die Metallverarbeitung, die Feinwerktechnik und der Arbeitskreativbereich mit. Auch die Arbeitsvorbereitung und natürlich der Garten- und Landschaftsbau waren an der Fertigung beteiligt. Allein hunderte von Löchern wurden für die Insekten gebohrt und gefüllt.

Produziert wurde der Prototyp von rund 20 Mitarbeitenden standortübergreifend in den Werkstätten Bretzenheim und Bad Kreuznach. Insgesamt arbeiten im Betrieb 370 Beschäftigte, verteilt auf beide Standorte.  „Ich freue mich sehr, dass man die Arbeit unserer Werkstatt auch mal sieht“, sagte Fuchs. Gerade den Mitarbeitern, die trotz geistiger und körperlichen Einschränkungen ihren Platz im Leben behaupten müssen und in den Werkstätten ein sinnstiftendes Betätigungsfeld finden, bedeute diese Form der Wertschätzung sehr viel.

Drei bis vier Arbeitstage für ein Hotel – 50 Hotels insgesamt beauftragt

Die Gewobau hofft nun, dass mit etwas Glück Wildbienen in die Hotels einziehen. Anders als Honigbienen leben Wildbienen nicht in einem Bienenstock und sind auch weniger aggressiv. Einen Zeitplan, wann die nächsten Insektenhotels geliefert werden, gibt es zwar nicht, doch rechnet die Zweigwerkstatt Bretzenheim mit einer Produktionsdauer von drei bis vier Tagen für ein Hotel. „Wir richten uns da ganz nach den Kapazitäten der Lebenshilfe-Werkstatt“, sagte Rainer Arend.

Gewobau-Geschäftsführer Karl-Heinz Seeger dankte dem Team von Sascha Fuchs und seinem technischen Mitarbeiter Rainer Arend für diese brillante Idee und gelungene Umsetzung einer nachhaltigen Wohnumfeldgestaltung und überreichte beiden symbolisch ein Glas Honig. Er wünscht dem Projekt nachhaltigen Erfolg. „So wie man mit Speck Mäuse fängt, fängt man mit Honig die guten Ideen ein. Ich hätte mir nicht träumen lassen, als Geschäftsführer einer Wohnungsbaugesellschaft für bezahlbaren Wohnraum tatsächlich in gleich 50 Hotels investieren zu dürfen!“

Bildunterzeile:

Das Team der Zweigwerkstatt Bretzenheim der Lebenshilfe Werkstätten Bad Kreuznach gemeinnützige GmbH stellte im Garten der Gewobau das erste Hotel auf, das die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Gewobau in Auftrag gegeben hat. Geschäftsführer Karl-Heinz Seeger (4.v. links) dankte dem Leiter der Zweigstelle Bretzenheim, Sascha Fuchs (3.v.l.) und dem technischen Mitarbeiter der Gewobau, Rainer Arend (2.v. rechts, stehend) für die gelungene Umsetzung der künftigen Behausung geflügelter und gepanzerter Gäste. Die Gewobau wird mit 50 weiteren Insektenhotels die Außenanlagen ihrer Mietshäuser sukzessive lebensfreundlicher gestalten.

Foto: Gewobau

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