Mehr Leben im Quartier

„Restaurant des Herzens“ schließt eine Lücke im Stadtteil Süd-Ost  – auch ehemalige Nachbarn und Mieter der Gewobau kommen gern. Mittlerweile gibt es einen festen Stamm.

„Die Zwiebel hat man am besten vorher angeröstet, wegen der Farbe, man braucht sie nicht zu schälen. Kastanien und Maronen färben aber auch.“ Franz Bürkle ist voll in seinem Element, wenn er über die Zubereitung von Essen spricht. Und er begeistert nicht nur auf Festen wie dem Fischerstechen, wo er auch schon mal hinter dem Tresen Bier zapft.

Zum vierten Mal stand Bürkle im Begegnungszentrum als Chefkoch an den Töpfen. Gemeinsam mit „Beikoch“ Karl-Heinz Seeger, dem Geschäftsführer der Gewobau, initiiert Bürkle seit April das „Restaurant des Herzens“. Einmal im Monat freitags ab 16 Uhr kommen die Bewohner des Stadtteils zusammen. Vor allem Mieter und Mieterinnen der Gewobau, aber auch ehemalige Viertelbewohner und sogar Gäste aus Bad Sobernheim und Norheim schätzen den geselligen Anlass zur Zusammenkunft, der eine Lücke im Stadtteil Süd-Ost schließt.

Zutaten frisch vom Markt

Rund 40 Gäste halfen dieses Mal mit, gesottene Kalbshüften nach Art eines Tafelspitz‘ zuzubereiten. In der Küche und an den Tischen, die von den Teilnehmern liebevoll eingedeckt und dekoriert werden, rollten die Köche und Köchinnen frische Markklößchen für eine Suppe aus der frisch angesetzten Kalbsbrühe. Oder rieben alte Brötchen vom Vortag, um nach Anweisung durch Franz Bürkle rostige arme Ritter mit selbstgemachter Vanillesauce für den Nachtisch vorzubereiten.

   

    „Wir machen alles frisch“ ist Bürkles beherztes Credo, Mitarbeiter der Gewobau kaufen die Hauptzutaten für ein einfaches Dreigänge-Menü an den Markttagen auf dem Bad Kreuznacher Wochenmarkt ein. Auch die Weine sind regional und stammen vom Weingut Finkenauer. Wer möchte, gibt einen Obolus als Dankeschön für Organisation und Einkauf. Ein „Kann“, kein „Muss“, auch das ist wichtig, wenn es um Teilhabe geht.

Wichtige soziale Funktion

Während die Gäste gemeinsam Gemüse schälen, das Fleisch zubereiten und kochen, unterhält, berät und regiert Bürkle an Töpfen und Tischen. Fachmännisch sorgt der Profikoch  für den reibungslosen Ablauf. Eine kleine Hygieneunterweisung ist obligatorisch; die Anekdoten rund ums Kochvergnügen ebenso. „Die Küche ist keine Kirche“, schmunzelt Bürkle, der vor allem eines zeigen will: „Kochen soll Spaß machen!“

Neben dem Spaß erfüllt das Restaurant des Herzens aber auch eine wichtige soziale Funktion im Quartier;  jenem Stadtgebiet, wo die Mehrzahl der Mieter der Gewobau lebt: „Wir schließen hier eine Lücke, das zeigt uns die sehr gute Resonanz auf unser Angebot“, sagt Karl-Heinz Wilhelm Seeger, der die Idee Anfang des Jahres aus den Niederlanden transportierte.

Noch drei Mal in diesem Jahr

Dort, in den „Restos van Harte“, kommen die Menschen regelmäßig zu einer Art Nachbarschaftsdinner zusammen und genießen die Stunden in Gesellschaft. In Frankreich, wo der mittlerweile verstorbene Schauspieler und Humorist Coluche die „Restos du Coeur“ gründete, ist das Konzept mittlerweile zu einem unverzichtbaren Teil von Wohltätigkeit  geworden.

 

Ähnliche Erfahrungen machen die Organisatoren des „Restaurant des Herzens“: Viele kommen, weil sie hier schnellen Anschluss finden. Der Altersdurchschnitt im Begegnungszentrum zeigt, dass nicht wenige auch der Einsamkeit entfliehen. „Oft ist der Lebenspartner bereits verstorben und die Menschen suchen Kontakt. Ein gutes Gespräch bei einem Glas Wein und einem leckeren Essen ist da ein schöner Anfang“, sagt Seeger. Er dankt vor allem Franz Bürkle für sein großes ehrenamtliches Engagement: „Du bist hier gar nicht wegzudenken, das Projekt ist keine Eintagsfliege, wir machen damit weiter.“

Noch dreimal wird das Restaurant des Herzens 2019 öffnen, am 11. Oktober, 8. November und 6. Dezember. Dann, an St. Nikolaus, wird es eine besondere Feier geben, mit allen Unterstützern und Sponsoren, wie zum Beispiel der Bad Kreuznacher Zentralwäscherei und dem Stadtteilverein Süd-Ost, der sich ebenfalls im Projekt engagiert.

Musik, Menü und Mundart

Musikdarbietungen, Menüplanung oder auch mal eine Mundartlesung – die Gäste bringen ihre eigenen Ideen mit und dürfen sie zwanglos selbst umsetzen. „Einfach toll. Wir wollen anregen, dass die Quartiersbewohner das Projekt aus ihrer Mitte heraus fortführen“, ermuntert Seeger den mittlerweile festen Kern, zu dem sich aber immer wieder neue Gesichter hinzugesellen.

Apropos, gerade auch Zugezogene aus anderen Herkunftsländern sind herzlich ins „Restaurant des Herzens“ eingeladen – bei der Zutatenauswahl wird von vorne herein auf den Kauf von Schweinefleisch verzichtet. Auch die Menükarte ist multinational: Warum nicht mal einen herzhaften Bortsch kochen? „Wir sind für jede Anregung offen und nehmen gern Menüvorschläge entgegen“ so Seeger. Im Oktober wird es jedenfalls „etwas mit Kürbis“ geben, das steht schon mal fest.

 

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