Bekannt bis nach Osaka

gewobau-js-corporationVon links: Kazuhiro Watanabe (Institute of Technology/ Chief and BR-Officer) und Tomohiro Someya (Design planning department/ Deputy Chief) von der JS Corporation waren Gäste von Gewobau-Geschäftsführer Karl-Heinz-Seeger und Unternehmerin Maren Bott sowie Architekt Tino Steinmetz. Foto: Gewobau

Berlin, Paris, Bad Kreuznach – es hat schon Seltenheitswert, wenn die Stadt an der Nahe in einem Atemzug mit zwei Welt-Metropolen genannt wird. Und dann auch noch als westliches Best-Practice-Beispiel in der asiatischen Wohnungswirtschaft dient. So geschehen auf der Studienreise von Kazuhiro Watanabe (Institute of Technology/ Chief and Officer) und Tomohiro Someya (Design planning department/ Deputy Chief) aus Osaka. Der CEO der Wohnungsbaugesellschaft JS Corporation und sein Mitarbeiter sowie ein Dolmetscher aus der drittgrößten Stadt Japans machten auf Initiative von Unternehmerin Maren Bott Halt an der Nahe. Ein ehemaliger Kommilitone hatte den Kontakt zur Guldentaler Unternehmerin genutzt und nach Möglichkeiten für die JS Corporation gesucht, in Europa Erfahrungen in Fragen des bezahlbaren Wohnens und nachhaltigen Bauens zu sammeln. Denn die Wohnungsbaugesellschaft wird von der halbstaatlichen Urban Renaissance Agency finanziert und diese verwaltet rund 700.000 Wohnungen im Bestand. Sie ist somit einer der größen Anbieter von gefördertem Wohnraum in Japan. Wohnraum ist knapp, denn es fehlt im bevölkerungsreichen Land an Fläche.

Maren Bott, die gemeinsam mit der Gewobau ab Mitte August das barrierefreie „Haus in Holzbauweise“ (HuB) in der Schubertstraße realisieren wird, zögerte nicht lange und nannte die Gewobau Bad Kreuznach als ersten Ansprechpartner. Geschäftsführer Karl-Heinz Seeger und Kazuhiro Watanabe entdeckten dann auch viele Gemeinsamkeiten: So ist die JS Corporation „in zahlreichen Projekten im Einklang mit den Bedürfnissen der Bewohner, Management-Verbände und städtischen Institutionen“. Zudem entwickelt das Unternehmen Wohngebiete und Wohnkomplexe für Miete und Verkauf, unterstützt die Bewohner und ist zudem für die Wartung des Sicherheitsnetzes zuständig.

„Es war ein sehr lebhafter, interessanter Erfahrungsaustausch, geprägt von gegenseitigem Respekt und großer Höflichkeit. Mit guten Ideen und großem Spaß. Die Wertschätzung und das Interesse auch an den Details unserer Arbeit haben mich sehr beeindruckt"

Karl-Heinz Seeger, Geschäftsführer der Gewobau GmbH

Konkret informierten sich Watanabe und Someya über die Investitionen der Gewobau wie den langfristigen Sanierungsplan in der Schubertstraße, über allgemeine Sanierungspläne für Außenwände oder Rohrleitungen und über die Kostenstruktur von Verwaltung und Reparaturen. Ebenso wie der Gewobau geht es den Japanern um größtmögliche, bezahlbare Nachhaltigkeit beim Bauen. 1962 nahm die ein Jahr zuvor gegründete JS Corporation das Immobiliengeschäft in Osaka auf und realisierte unter anderem ein Unfall- und ein Technologie-Zentrum als zentrale Objekte. Von der Gewobau wollten die Japaner vor allem wissen, wie Modernisierungen im Bestand leichter von der Hand gehen. Denn in Japan sei es üblich, die Mieter vor Sanierungsbeginn umzusiedeln und nur unbewohnte Wohnungen zu modernisieren – was bedeutet, dass im Nachhinein neue Mieter in die fertigen Wohnungen ziehen und sich die soziale Durchmischung im Wohnviertel dadurch grundlegend ändern kann. Dieser Vorgang sei oft mit Schwierigkeiten verbunden.

Auch werde beim Wohnungsbau in Japan vorzugsweise Stahlbeton und Holz verbaut. Letzteres ist in Japan– genauso wie in Deutschland – etwas teurer in der Verarbeitung. Dafür aber ein Naturprodukt und nachhaltig. Gewobau-Architekt Tino Steinmetz erläuterte den Vor- und Nachteil von Holz am Beispiel des geplanten barrierefreien Wohnhauses in der Schubertstraße. Apropos Nachhaltigkeit: Die Japaner zeigten großes Interesse auch an anderen Baustoffen wie Ökobeton und Steinwolle, die statt Styropor jetzt zur Dämmung bei Modernisierungen im Bestand der Gewobau eingesetzt wird. In Japan werden Wohnungsgesellschaften gesetzlich verpflichtet, ihre Häuser alle fünfzehn Jahre neu zu dämmen. Grundsätzlich ist der Lebenszyklus eines Hauses in Japan kürzer als in Deutschland.

„Es war ein sehr lebhafter, interessanter Erfahrungsaustausch, geprägt von gegenseitigem Respekt und großer Höflichkeit. Mit guten Ideen und großem Spaß. Die Wertschätzung und das Interesse auch an den Details unserer Arbeit haben mich sehr beeindruckt“, fasste Gewobau-Geschäftsführer Karl-Heinz Seeger den kurzweiligen Aufenthalt in der Schubertstraße und in den Räumen der Gewobau zusammen. Gastgeber und Gäste hoffen auf einen anhaltenden Kontakt. Eine Einladung zum interkulturellen Austausch nach Osaka haben Seeger und Steinmetz bereits ausgesprochen bekommen und freuen sich schon auf den nächsten Besuch: Noch in diesem Jahr will die JS Corporation mit einer größeren Delegation nach Bad Kreuznach reisen.

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